Die Geschichte der Gluzger

Schon der Bandname lässt vor allem Nichtschwaben aufhorchen, so dass die Frage über die Bedeutung des Wortes nicht ausbleibt:

 

Als „Gluzger“ wird hierzulande der Schluckauf bezeichnet, in anderen Gegenden des Schwabenlandes auch „Häcker“, „Hickser“, „Glugser“ oder ähnlich genannt. Bekanntermaßen entsteht dieser  in der Regel nicht nur aber auch durch den übermäßigen Genuss alkoholischer Getränke, was allerdings nicht Hintergrund für den Bandnamen war. Diese Namensgebung liegt bereits 40 Jahre zurück, als ein gleichnamiger Stammtisch in Rottenburg einen „Reing’schmeckten“ aufnahm, der regelmäßig den ‚Gluzger‘ mit dem ‚Rülpser‘ verwechselte und ... diesem Kreise entstammt die Band (siehe auch „Geschichtliches“ weiter unten). Zwischenzeitlich hat sich auch eine weitere Erläuterung des Namens etabliert:

               G = granademäßig

L = laut

U = und

       Z = zemlich

  G = gued

E = em

            R = Rhythmus!

Nunmehr seit fast 35 Jahren machen die 6 Hobbymusiker ihren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten „Schwôbajazz Pur!“: Dixieland, Blues sowie eigene Titel in schwäbischer Mundart. Bei ihren Auftritten legen sie ganz besonderen Wert auf den Kontakt mit dem Publikum, um diesem den Spaß an der Musik weiter zu geben. Und wenn es dann auch mal im ¾-Takt oder rumba-rhythmisch abgeht, zeigen die 6 ihre ganze Vielseitigkeit, die mitunter auf mehreren CD’ s zu hören ist. Auch bei Reisen zu diversen nationalen und internationalen Festivals nach Frankreich, Schweiz, Österreich, zweimal nach Rio de Janeiro, beim Dixiefestival „ALDIANA“ auf der Insel Djerba/Tunesien und sechsmal in die „gute, alte Stube des Jazz“, New Orleans, hat die Band dies unter Beweis gestellt. Mittlerweile hat sich in anderen Landesteilen unserer Republik herumgesprochen, dass die Band beste Laune versprüht, auch wenn die sprachlichen Barrieren doch nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Doch Dixieland, Bier und gute Laune verbindet, und das ist international!

So ist auch bei den „GLUZGERN“ durchaus mal ein ‚Gluzger‘ möglich, um bei der obigen Einführung zu bleiben.

 ©Die GLUZGER 2012

             Die aktuelle Besetzung: (aktuelles Bandbild zum Download am Seitenende)

Historie und Personalie (von Kurt Wettemann)

Seit Mitte der Sechziger gab es im damaligen Cafe Springer in Rottenburg einen Stammtisch unter seinem Präsidenten Wolfgang Gottwald, der sich  ‚Die GLUZGER’  nannte. Im Laufe des Jahres 1970 besorgte der Wirt, Günter Springer, seinen Stammgästen Blasinstrumente, -man wollte Musik machen-  und gründete die erste Fasnetskapelle in Rottenburg. Da die Stammtischler, mit wenigen Ausnahmen, so Herbert Bauer, Trompete; Albert Brück, Ventilposaune; und Josef Daub, Kontrabass und Tuba, keinerlei Musikerfahrung hatten, wurden Leute hinzugesucht, die ein Instrument spielten.

An der Fasnet 1971 machte als erster Kurt „Kurle“ Wettemann (Klarinette) mit. Obwohl man die gespielten Stücke kaum erkennen konnte, machte die erste Fasnet viel Spaß. Ebenfalls war Rupert Leger von Anfang an dabei, damals noch hauptsächlich mit Akkordeon, und Rainer Ruf mit Trompete kam hinzu. Der Kern der späteren Truppe: Rainer Ruf (Trompete), Rupert Leger (jetzt hauptsächlich Banjo), Albert Brück (Ventilposaune), Josef „Giuseppe“ Daub (Kontrabass und Tuba), Walter Fischer (Schlagzeug), Kurt Wettemann (Klarinette) versuchten es nun mit Dixie. Das wöchentliche Proben in der Backstube von Rainer Ruf machte sich bald bemerkbar und es kamen erste öffentliche Auftritte, z.B. in der Platanenallee Tübingen. Hier kam dann mehr zufällig Karl-Heinz Wenzel (Carlo) mit seiner Zugposaune vorbei und spielte von da an als festes Bandmitglied mit.

Die Stammbesetzung war jetzt:     Rainer Ruf, Tp.

Kurt Wettemann, Cl

Karl-Heinz Wenzel, Pos.

Rupert Leger, Banjo und Gesang

Josef Daub, Bass †

Walter Fischer, Drums.

Gegen Ende der Siebziger löste dann Ralf Wettemann (15-jährig) Walter Fischer am Schlagzeug ab. Richtig bekannt wurde die Band durch Auftritte im "Wirtshaus Zille" in Tübingen und dem Neckarfest in Rottenburg, doch noch gehörte das Akkordeon für volkstümliche Stücke dazu. Auch hatte man immer noch einen Humoristen (Eugen Göggel) dabei.

1978 löste sich die Dixieband vom Stammtisch und machte sich selbständig, man behielt aber den Namen "GLUZGER" bei, trank jedoch weiterhin sein Bier beim Stammtisch und alle waren zufrieden.

Es lief alles recht gut. 1989 hörte Josef Daub auf Anraten seines Arztes auf. Für ihn kam Sigwart (Siggi) Priebe, der bis 1993 Kontrabass spielte, wo er krankheitshalber aufhören musste. Mit ihm nahmen die GLUZGER 1992 ihren ersten „Tonträger“, eine Musikkassette, auf. Siggi verstarb 1995 leider viel zu früh. Man suchte wieder einen Bassisten und wurde doppelt fündig. Kontrabass, aber hauptsächlich E-Bass spielte nun Günter Götzl. Für Auftritte, bei denen man ohne Verstärkeranlage spielte, hielt man sich Josef (Jupp) Horvath mit dem Sousaphon warm. Ende 1993 schied K.H. Wenzel aus, der durch Claus Nopper ersetzt wurde, welcher ihn bisher schon immer wieder vertreten hatte.

 Aushilfsmusiker

Vom Fußball her weiß man schon lange, dass eine Mannschaft auf Dauer nur erfolgreich ist, wenn sie gute Ersatzspieler hat. Das gleiche galt und gilt für die GLUZGER.

Bei der Trompete war man, bedingt durch den Beruf von Rainer Ruf (er war Bäckermeister mit eigenem Geschäft) oft auf einen Ersatzmann angewiesen.

Ausgeholfen haben immer wieder Thomas Pfleiderer von der Neckartown-Jazzband, Tübingen, Bert Göhner aus Nehren, und der Sohn von Rainer, Rüdiger Ruf. Bei der Posaune war es Claus Nopper, bei der Klarinette halfen Klaus Steiner (Neckartown-Jazzband) oder Wolfgang Albrecht von Tante Frieda’s Jazzkränzchen, Reutlingen, aus. Banjo spielte gelegentlich der Apotheker Rüdiger Berg  aus Kusterdingen. Am häufigsten mussten Ersatzleute am Schlagzeug ran. Der Interessanteste ist sicherlich der zwischenzeitlich sehr bekannte Kabarettist Klaus Birk. Aber auch Christof Eschenfelder (Eschi) und Jörg Bach aus Albstadt gaben ihr Bestes. Seit 1996 ist Ralf Nopper, der Sohn des Posaunisten, als ständiger Vertreter von Ralf Wettemann bei der Truppe. Mit Eintritt der GLUZGER in das WWW ist  dieser auch als Webmaster tätig.

Allen früheren und derzeitigen Ersatzspielern vielen Dank, dass sie sich immer mit der Band identifiziert haben.

 Die Philosophie der GLUZGER

Von Anfang an war das Motto "Spaß bei Bierjazz" ganz wichtig. Wenn die Musiker Spaß haben, gefällt es auch dem Publikum. Auch wenn andere Bands schon die Nase gerümpft haben, der Erfolg gibt den GLUZGERn Recht. Der Dixie entstand schließlich auch nicht in sterilen Konzertsälen, sondern in Kneipen.

Die GLUZGER werden auch in Zukunft ihre Wurzeln nicht verleugnen. Sie sind immer noch ein fester Bestandteil der Rottenburger Fasnet (Zunftmesse) mit anschließender Straßenfasnet sowie des Neckarfestes.

 Die GLUZGER und die weite Welt

Mit größeren Reisen fing es 1990 an. Man war offizielle Begleitband der städtischen Vertretung Rottenburgs in der Partnerstadt St. Claude in Frankreich. Die Franzosen lasen vom Notenpult den Namen GLUZGER als G L Ü Z S C H Ä R ab. In einer bitterkalten riesigen Konzerthalle gab man ein tolles Konzert in der Besetzung:

Rüdiger Ruf, Tp; Kurt Wettemann, Cl; K.H. Wenzel, Pos.; Rupert Leger, Banjo; Bass spielte Siggi Priebe, Schlagzeuger war Christof Eschenfelder. Auf dem Neckarfest 2003 erinnerte sich eine Frau aus St. Claude noch an diesen Auftritt. Wichtig war auch das mitgebrachte deutsche Bier, das von Vertretern des Hundesportvereins ausgeschenkt wurde.

Musikalisch dürften die wichtigsten Reisen die nach New Orleans gewesen sein, 1994, 1996, 1998, 2000. An der Geburtsstätte des Jazz konnte man feststellen, dass man mit der Interpretation der Musik gar nicht so falsch lag. Bei allen Reisen waren immer ca. 80 Fans mit dabei, die sich auch heute noch gerne an die Reisen erinnern. Die letzte Reise war im Jahre 2004 an Ostern, noch bevor der Sturm „Katrina“ die Stadt heimsuchte.

Am meisten Spaß machte den Musikern aber die Reise nach Rio de Janeiro 1995, die durch verwandtschaftliche Beziehungen von Familie Nopper möglich wurde. Der Onkel  (ein Schwarzwälder, kein Schwabe) Fabrikant in Rio und sein Sohn mobilisierten weitere Firmen wie Siemens und die Deutsche Lufthansa, und so konnte die Reise voll gesponsert werden. Hauptzweck war hierbei möglichst viel Geld für das Projekt „Arme Straßenkinder Rio“ und einer Einrichtung für arme behinderte Kinder einzuspielen. Die nicht unerheblichen Einnahmen aus Auftritten in den tollsten Hotels gingen an diese beiden Stiftungen.

Eine weitere Reise ging 1997 in den Südwesten Frankreichs nach Bergerac, auch dort kam man bestens an. Neben Auftritten bei der Deutsch-Französischen Gesellschaft von Bergerac spielte man spontan auf öffentlichen Plätzen und der Banjokoffer füllte sich immer zusehends mit Francs.

Vor dieser Reise zeichnete es sich schon ab, dass Günther Götzl auf eigenen Wunsch aussteigen wollte. Er kam, wie er sagte, "mit der Mentalität der Schwaben" nicht klar. Er machte die Reise schon nicht mehr mit, für ihn stieg postwendend Jupp Horvath (Sousaphon) ein, der sich schon oftmals als Ersatzmusiker wie auch in der "Straßenbesetzung"  auf den Reisen nach New Orleans auszeichnete. Als G. Götzl dann tatsächlich aufhörte wurde der Kontrabass durch ein Sousaphon ersetzt.

Die Spezialität der GLUZGER "Schwôbajazz"

Von Anfang an war es insbesondere ein Anliegen der Band das schwäbische Element in ihre Musik einzubringen. Rupert Leger machte eigene Titel mit schwäbischem Text und einige Originaltitel erhielten schwäbische Texte, was sich beim Publikum immer als Stimmungsfaktor erwies. Er zeichnet sich auch als Sänger dieser Texte aus.

Wechsel an der Klarinette

1997 musste Kurt Wettemann krankheitsbedingt aufhören. An seine Stelle trat nach mehreren Versuchen mit anderen Musikern Matthias Hans, der auch Saxophon spielt und bestens zu der Truppe passt.

2003 feierten die GLUZGER ihr 25-jähriges und 2008 ihr 30-jähriges Jubiläum. Die Herren sind mittlerweile auch etwas in die Jahre gekommen, selbst der Jüngste, der mit 15 Jahren zur Band kam, ist mittlerweile  über 40.

Die Band hat ihre Spritzigkeit nicht verloren, sie ist mit ihrem Publikum älter geworden und findet immer noch neue Anhänger und Fans. Das zeigt die Tatsache, dass sie sowohl beim Jazzmarathon in Hamburg (2001), bei den Jazztagen in Mülheim/Ruhr 2003, bei „Jazz in der Fabrik“ in Selb (2005/2006) sowie bei Jazzfestivals in Bulle/Schweiz (2006 u. 2008) und Idstein/Hessen (2008)  trotz, oder gerade wegen ihres Schwabenjazzes, sehr gut angekommen ist.

Verjüngungskur

Seit 2005 ist ein neuer GLUZGER an Bord, der sogar noch jünger ist als die Band selbst. Mit seinen 23 Jahren steigt Ralf Nopper  nach auch schon 10 Jahren im 2. Glied fest ein und ersetzt das Gründungsmitglied Ralf Wettemann, der sich von nun an mehr um seine Familie und seine Musikschule kümmern möchte. Ralf Nopper ist trotz des frischen Alters ein erfahrener Musiker mit über 100 Konzerten auf dem Buckel. Er  ist außer bei den Gluzgern noch in anderen erfolgreichen Bandprojekten im Rockbereich tätig,  dadurch ist Ralf Wettemann hin und wieder als Ersatzdrummer gefragt und beweist dass er immer noch perfekt reinpasst und auch mal ad-hoc ein paar Vocals  zum Besten geben kann.

Nach so einer langen Zeit –es sind nunmehr schon über 30 Jahre- denken die GLUZGER natürlich noch nicht ans Aufhören, sie sind ständig unterwegs und wollen noch lange Zeit weitermachen.

Das aktuelle Bandbild:  Die Gluzger